Sachwerte

Die Krisenprämie schmilzt

Anleger preisen Entspannung am Ölmarkt ein – doch bei Gold übernimmt die Fed wieder das Kommando

4 Min.

25.06.2026

An den Rohstoffmärkten kippt die Stimmung: Öl fällt nach der Entspannung im Iran-Konflikt deutlich, Gold verliert wegen neuer Zinssorgen an Glanz. Für Anleger ist das mehr als eine Preisbewegung. Die Märkte sortieren gerade neu, welche Risiken wirklich zählen: Geopolitik, Inflation oder Geldpolitik.
 

Ölmarkt verliert die Angst vor Hormus

Der Ölpreis ist nach der Entspannung im Iran-Konflikt deutlich gefallen. Brent zur Lieferung im August notierte am Donnerstag bei 72,68 Dollar je Barrel, WTI bei 69,58 Dollar. Damit näherten sich die Preise wieder dem Niveau vor Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar. Hauptgrund ist die Erwartung, dass die Straße von Hormus wieder verlässlicher passierbar wird und mehr Öl aus dem Nahen Osten auf den Weltmarkt kommt.

Nach Angaben von US-Energieminister Chris Wright haben zuletzt rund 20 Millionen Barrel Öl die Meerenge innerhalb von 24 Stunden verlassen. Das entspricht etwa einem Fünftel des weltweiten Tagesverbrauchs. Zwar ist der Verkehr noch nicht vollständig normalisiert, doch für Händler genügte die Bewegung, um einen großen Teil der geopolitischen Risikoprämie aus dem Ölpreis herauszunehmen.

Gold verliert den Zinskampf

Während Öl von geopolitischer Entspannung gedrückt wird, leidet Gold unter einem anderen Faktor: der US-Notenbank. Die Deutsche Bank sieht den jüngsten Rückgang des Goldpreises vor allem durch neue Erwartungen an mögliche Fed-Zinserhöhungen getrieben. Nach einem Rekordschlusskurs von rund 5.320 Dollar je Feinunze Ende Januar lag Gold zuletzt nur noch bei etwa 4.140 Dollar.

Im Basisszenario erwartet die Deutsche Bank für das vierte Quartal zwar wieder einen Anstieg auf 4.800 Dollar je Feinunze. Sollte der Markt jedoch drei bis vier weitere Zinserhöhungen der Fed einpreisen, hält das Institut einen Rückgang bis auf 3.800 Dollar für möglich. Damit wird Gold wieder stärker zum Zinsgeschäft: Je attraktiver verzinste Anlagen werden, desto schwerer hat es ein Edelmetall ohne laufenden Ertrag.

Zwei Rohstoffe, zwei Botschaften

Auf den ersten Blick fallen Gold und Öl gleichzeitig. Doch die Signale dahinter sind unterschiedlich. Öl reagiert auf mehr Angebot, entspanntere Schifffahrtswege und die Hoffnung auf eine Normalisierung im Nahen Osten. Gold reagiert auf robuste US-Daten, einen stärkeren Dollar und die Sorge, dass die Fed länger restriktiv bleibt.

Für die Börse ist genau diese Kombination interessant. Sinkende Ölpreise können Inflationserwartungen dämpfen, Transportkosten senken und Verbraucher entlasten. Das wäre grundsätzlich positiv für Aktienmärkte. Fallende Goldpreise zeigen dagegen, dass Anleger wieder stärker an hohe Realzinsen und weniger an akute Krisenabsicherung denken.

Entlastung mit eingebautem Risiko

Der Ölpreisrückgang kann Unternehmen und Haushalte kurzfristig helfen. Billigeres Rohöl entlastet Energie-, Chemie-, Logistik- und Konsumbranchen. Auch Zentralbanken könnten weniger Druck durch Energiepreise spüren, sofern die Bewegung an den Tankstellen und in den Produktionskosten ankommt.

Ganz verschwunden ist das Risiko aber nicht. Reuters weist darauf hin, dass eine vollständige Normalisierung der Route durch Hormus noch dauern kann. Minenräumung, Versicherungsprämien, beschädigte Infrastruktur und politische Unsicherheit bleiben Faktoren, die den Markt schnell wieder drehen lassen können.

Der Markt handelt Hoffnung und Fed-Angst zugleich

Für Anleger entsteht damit ein widersprüchliches Bild. Der Ölmarkt handelt Hoffnung: mehr Angebot, weniger Kriegsprämie, fallende Preise. Der Goldmarkt handelt Fed-Angst: höhere Zinsen, stärkerer Dollar, weniger Attraktivität sicherer Häfen.

Die gemeinsame Botschaft lautet: Die Märkte verabschieden sich nicht von Risiken, sie sortieren sie nur neu. Geopolitische Angst verliert vorerst an Gewicht. Geldpolitik gewinnt wieder die Oberhand. Genau das macht Gold und Öl derzeit zu zwei der wichtigsten Frühindikatoren für die nächste Börsenphase.

SK

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