Wirtschaft

Hormus-Deal könnte zur Mautfalle werden

Die Straße von Hormus soll wieder berechenbarer werden – doch ausgerechnet die Gebühren gefährden die Öffnung

4 Min.

07.08.2026

Esmaeil Baghaei, iranischer Außenminister am 03.08.2026, bei seiner wöchentlichen Pressekonferenz

Iran und Oman kommen bei einer neuen Verkehrsordnung für die Straße von Hormus voran. Geografische Eckpunkte einer Schiffsroute sind abgestimmt, zentrale Fragen zu Kontrolle, Sicherheit und Gebühren aber noch offen. Für den Welthandel geht es um weit mehr als eine neue Fahrrinne: Rund ein Fünftel der globalen Ölversorgung nutzte die Meerenge vor dem Krieg.

Iran und Oman haben sich nach Angaben des iranischen Außenministeriums auf die geografischen Parameter einer möglichen neuen Schiffsroute durch die Straße von Hormus verständigt. Eine gemeinsame Erklärung werde vorbereitet. Von einem vollständig ausgehandelten Abkommen kann allerdings noch keine Rede sein. Mehrere wichtige Details seien weiterhin strittig.

Das diskutierte Modell würde Iran insbesondere bei Schiffen, die in den Persischen Golf einfahren, eine stärkere Kontrollfunktion geben. Auslaufende Schiffe sollen dagegen näher an der omanischen Küste geführt werden. Vor dem Krieg galt für Handelsschiffe ein von der internationalen Seeschifffahrtsorganisation bereits 1968 festgelegtes Verkehrssystem.

Iran fordert bis zu sieben Prozent

Der wirtschaftlich heikelste Punkt sind mögliche Gebühren.

Nach Angaben eines hochrangigen iranischen Vertreters verlangt Teheran zwischen fünf und sieben Prozent des Werts der transportierten Fracht. Oman diskutiert demnach eine Größenordnung von rund drei Prozent. Die USA lehnen Gebühren für die Durchfahrt grundsätzlich ab.

Bei Rohöltankern, LNG-Schiffen oder großen Containerschiffen könnten solche Prozentsätze enorme Beträge ergeben. Hochrechnungen über zweistellige Milliardenbeträge für Iran beruhen allerdings auf Annahmen über Frachtwerte, Verkehrsmenge und tatsächlich durchsetzbare Gebühren. Solange weder Höhe noch Zahlungsmodell feststehen, bleiben sie spekulativ.

Für Reedereien wäre die Zahlung ein Problem

Die Schifffahrtsbranche hält das derzeit diskutierte Modell sogar für kaum praktikabel.

Die USA haben die von Iran geschaffene Persian Gulf Strait Authority mit Sanktionen belegt. Zahlungen an iranische Stellen könnten deshalb für Reedereien, Banken und Versicherer rechtliche Risiken auslösen.

Hinzu kommt eine neue Klausel des Versicherungsmarkts Lloyd’s of London: Zahlt ein Schiff eine Hormus-Gebühr oder Maut, kann dadurch der Versicherungsschutz für das betreffende Schiff entfallen. Die Branche steckt damit in einem Dilemma: Iran könnte Geld verlangen, während Versicherungen und Sanktionen gerade diese Zahlung praktisch unmöglich machen.

Auch die großen internationalen Reedereiverbände warnen vor einer »Maut durch die Hintertür«. Eine verpflichtende Gebühr könne das international anerkannte Recht auf freie Durchfahrt durch Meerengen grundsätzlich infrage stellen. Nach dem UN-Seerechtsübereinkommen darf das Transitpassagerecht durch internationale Meerengen grundsätzlich nicht behindert werden; Gebühren sind nur für konkrete Dienstleistungen vorgesehen.

Noch immer fahren viel weniger Schiffe

Wie dringend eine Lösung wäre, zeigen die aktuellen Verkehrszahlen.

Von Montag bis Donnerstag passierten nur 33 Schiffe die Meerenge. In der Vorwoche waren es 50. Vor Beginn des Krieges lag das normale Verkehrsaufkommen bei etwa 130 bis 140 Schiffen pro Woche.

Besonders problematisch bleibt der Öltransport. Irak bietet sein Rohöl inzwischen mit Abschlägen von bis zu 30 US-Dollar je Barrel an, findet aber teilweise trotzdem keine Schiffe, weil Reeder das Sicherheitsrisiko scheuen.

Am Freitag reagierten auch die Ölpreise auf die Unsicherheit. Brent verteuerte sich um rund 0,9 Prozent auf 83,24 US-Dollar je Barrel. Der Markt interpretiert die Gespräche inzwischen weniger als schnelle Rückkehr zur alten Normalität, sondern als mögliche Öffnung unter neuen Bedingungen.

Trump wollte eine kostenlose Öffnung

Für US-Präsident Donald Trump wäre eine Lösung, bei der Iran dauerhaft Kontrolle oder Gebührenrechte erhält, politisch problematisch.

Washington fordert die freie und gebührenfreie Durchfahrt. Iran könnte aus einem Krieg, der ursprünglich auch seinen regionalen Einfluss zurückdrängen sollte, stattdessen mit einer stärkeren formellen Rolle an einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt hervorgehen.

Dass dies bereits feststeht, wäre allerdings zu weit gegriffen. Die USA sind an dem iranisch-omanischen Arrangement nicht direkt beteiligt, die Gebührenfrage ist ungelöst und selbst die Sicherheit der vorgesehenen Route wäre mit einer Vereinbarung zwischen Teheran und Maskat noch nicht garantiert.

Stefanie S. Klief

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