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Unwetter-Ernteausfälle in Südwest-Europa belasten Landwirtschaft und Verbrauchermärkte

Wetterextreme in Spanien und Portugal könnten Preise für Obst und Gemüse erhöhen

Unwetter in Spanien und Portugal verursachen Agrarschäden. Ernteausfälle wirken sich auf Angebot, Marktpreise und Verbraucherpreise in Europa aus.

3 Min.

09.02.2026

Unwetter mit heftigen Regenfällen und Überflutungen haben in Spanien und Portugal zu Millionenschäden in der Agrar- und Forstwirtschaft geführt. Nach Aussagen eines Vertreters des Dachverbands der Bauernverbände in Spanien sind Tausende Hektar Ackerland betroffen, auf denen unter anderem Felder mit Brokkoli, Karotten und Blumenkohl stehen. Die Schäden summieren sich bereits auf Millionen Euro, und angesichts weiterer Sturmlagen sei mit zusätzlichen Belastungen zu rechnen.

Solche regionalen Ernteausfälle wirken sich nicht nur direkt auf die betroffenen Agrarbetriebe aus, sondern können mittel- bis langfristig auch die Preise für Lebensmittel beeinflussen. Wenn Ernten in wichtigen Produktionsgebieten ausfallen, sinkt das Angebot bestimmter Frischprodukte, während die Nachfrage gleichbleibt oder nur unwesentlich zurückgeht. In einem solchen Umfeld können Händler und Großhändler Preisanpassungen an den Rohstoff- und Erzeugermärkten weitergeben, was sich am Ende in höheren Verbraucherpreisen im Supermarkt niederschlagen kann.

Die wirtschaftliche Logik dahinter ist einfach:
– Versorgungsengpässe erhöhen Marktpreise. Wenn weniger Ware verfügbar ist, steigt der Wettbewerb um bestehende Bestände – das kurbelt die Preise für Gemüse, Obst oder Getreide tendenziell an.
– Importe können Preise stabilisieren – aber nur begrenzt. Europäische Produzenten ersetzen in vielen Fällen importierte Ware, doch globale Preisbewegungen und Transportkosten können diesen Effekt teilweise kompensieren oder sogar verstärken.
– Vorhandene Inflation setzt Preise unter Druck. Die allgemeine Lebensmittelinflation ist in vielen europäischen Ländern weiterhin höher als allgemeine Preissteigerungen, was bereits vor dem aktuellen Wetterereignis spürbar war.

Zudem wirkt sich eine Schwächung der regionalen Produktion indirekt auf weitere Bereiche aus:
– Höhere Produktionskosten für Lebensmittel verarbeitende Betriebe (z. B. Molkereien, Konserven- oder Tiefkühlproduzenten),
– lagerhaltungsbezogene Preisanpassungen bei Zwischenhändlern und Logistikfirmen,
– Saisonale Verschiebungen im Angebot, wenn Lieferzeiten länger werden oder saisonale Produkte knapp sind.

Wirtschaftsforscher betonen, dass Wetterextreme und klimabedingte Ernteausfälle in den letzten Jahren häufiger und intensiver geworden sind und zunehmend Preisschwankungen in Agrarmärkten verstärken. Eine schwache Ernte in mehreren Regionen gleichzeitig kann – ähnlich wie bei globalen Versorgungsengpässen – zu preisvolatilen Phasen führen, die auch Konsumenten zu spüren bekommen.

Für Verbraucher bedeutet dies, dass die Preise für bestimmte Lebensmittel – insbesondere Frischeprodukte wie Gemüse, Salat und Obst – in den kommenden Wochen und Monaten tendenziell stützenden Druck nach oben bekommen könnten, selbst wenn die Endpreise nicht unmittelbar am nächsten Tag spürbar steigen. Die verstärkte Nachfrage nach heimischer Erzeugung, etwa im Wintergemüse-Segment, kann kurzfristig regionale Engpässe abfangen, langfristig aber nur bedingt Preisspitzen verhindern.

In Summe zeigt der Fall: Klimabedingte Ernteausfälle sind nicht nur Agrarkrisen mit Schadenssummen in Millionenhöhe, sondern stellen über Versorgungswirkung, Angebot-Nachfrage-Balance und Preisbildung auch einen relevanten Faktor für Verbraucherpreise in Europa dar.

SK

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